Der Chaparral 2J

Der mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geratene amerikanische Rennwagenhersteller "Chaparral Cars", geleitet von dem texanischen Rennfahrer und Konstrukteur Jim Hall, war in den 60er und 70er Jahren alles andere als unbekannt: Diese Rennfahrzeuge waren zur damaligen Zeit technisch absolut revolutionär und viele Rennserien übernahmen einige der erfolgreichen Verbesserungen. Populärstes Beispiel ist der Heckflügel, der nach einem Jahr Erprobung an einem Chaparral Rennwagen für die Formel 1 übernommen wurde. Doch die mit großem Abstand unkonventionellste, aber sehr erfolgreiche Idee wurde im "Chaparral 2J" umgesetzt.

Dieser Rennwagen wurde mit einem zusätzlichen Motor ausgestattet, der zwei 17 Zoll Lüfter mit konstanten 5000 rpm antrieb, um Luft unter dem Wagen anzusaugen und am Fahrzeugheck abzuführen. Hierdurch konnte ein Anpressdruck von zusätzlichen 4 kN erzeugt werden. Das Fahrzeug bekam durch diese Konstruktion eine sehr ungewöhnliches aussehen - von vorne war es eindeutig als Rennwagen erkennbar, von hinten sah es aus wie eine industrielle Klimaanlage - auch der Klang war einzigartig, da neben dem voluminösen Brüllen des 427cui Chevrolet ZL1 mit 650PS bei 7000rpm zusätzlich noch der kreischende zweizylinder Zweitakt-Motor der Lüfter deutlich zu hören war.

Der Erfolg dieses Fahrzeuges war groß, aber kurz: Da mit diesem Konzept im Gegensatz zu konventionellen Spoilern und Flügeln der Anpressdruck unabhängig von der Fahrzeuggeschwindigkeit immer konstant hoch war, konnte der Chaparral 2J besonders in engen, langsamen Kurven viel höhere Geschwindigkeiten als die Konkurrenz erreichen und war somit allen anderen Fahrzeugen haushoch überlegen. Nach dem großen Erfolg in der Can-Am Serie 1970 wurde das Fahrzeug jedoch nach großen Protesten der anderen Teams durch die FIA und Sports Car Club of America verboten, da die beiden Ventilatoren "illegale bewegliche aerodynamische Bauteile" seien, die dem Fahrzeug einen unfairen Vorteil verschaffen.

Die Idee mit dem Ventilator, der einen Unterdruck unter dem Rennwagen erzeugt, wurde übrigens acht Jahre später in der Formel 1 aufgegriffen und kam im Brabham BT46B zum Einsatz. Um das Gebläse regelkonform nutzen zu können gab das Rennteam vor, dass dies Teil der Motorkühlung sei. Nach einem erfolgreichen Sieg wurde ähnlich wie im Chaparral 2J das Gebläse für eine regelverstoßende "bewegliche aerodynamische Einheit" erklärt und somit war das Fahrzeug für alle weiteren Rennen gesperrt.

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